Ostsee gen Westen bei Starkwind (29.06.-03.07.2019)

Die Ostseewelle ist wirklich nicht angenehm. Sehr kurz und steil. Wenn das dann auch noch von vorn kommt ist Segeln teilweise zum Abgewöhnen.

Für die ganze Woche ist Westwind angesagt, und zwar meist Starkwind. Samstag geht es aber noch, und so starte ich allein am Samstag früh um 7Uhr von Kröslin um nach Stralsund zu gehen.

Morgens direkt vor der Abfahrt in Kröslin

Ursprünglich war der Sonntag als Abfahrtstag geplant, aber ich will den noch günstigen Wind ausnutzen um nach NW zu segeln. In Stralsund werden Siggi und Katrin gegen Mittag an Bord kommen. Da sich ihre Ankunftszeit aber verzögert – ein Schaden bei der Bahn mit Vollsperrung kurz vor Stralsund – kommen sie später und wir können erst am Nachmittag wieder los. Die Nacht verbringen wir dann nur 8sm weiter in Barhöft. Der Plan, noch am Nachmittag in den Grönsund zu fahren ist somit geplatzt.

Am Sonntag laufen wir bereits um 5 Uhr aus Barhöft aus, denn ab Nachmittag soll definitiv starker Westwind kommen. Dann wollen wir möglichst bereits im geschützten Hafen sein. Das ursprüngliche Ziel – die Insel Vejrö – erreichen wir allerdings nicht mehr, weil der Wind bereits auf der Höhe von Stubbeköbing auffrischt und auf West dreht. Kurzerhand gehen wir in den Hafen. Glücklicherweise bekommen wir einen Platz längsseits an der Kaimauer.

Liegeplatz an der Kaimauer in Stubbeköbing

Stubbeköbing hat keinen besonderen Charme. Die Stadt ist nicht sehr interessant, alles ist irgendwie ausgestorben und das einzige geöffnete Restaurant erinnert irgendwie an eine Bahnhofshalle.  Die meisten Menschen scheinen sich am Eisladen des Hafens zu tummeln. Bei weit über 30 Grad ist das aber nicht weiter verwunderlich. Das Eis schmeckt übrigens sehr gut. Ein Highlight sind die beiden Oldtimer, die kurz im Hafen vorbei kommen.

Kurzer Oldtimerbesuch in Stubbeköbing

Der Wind legt weiter zu, und unser Liegeplatz ist in einer Hinsicht sehr unschön: der nahe Sandberg wird durch den starken Westwind – teilweise bis 35kn – abgetragen und Schwaden von Sand fegen über unser Deck. Schließlich findet sich der Sand überall auf und im Schiff.

Nach zwei Hafentagen, am Mittwoch, können wir endlich weiter segeln. Es ist sehr kalt geworden, denn es gab einen Temperatursturz von 20grad in den letzten Tagen. Ein Wetterfenster tut sich aber auf mit “nur” 20kn Nordwest-Wind. Wir müssen dringend West gut machen, denn der Zeitplan gerät sonst aus den Fugen. Auch hier müssen wir früh los, denn am Nachmittag soll der Wind wieder zulegen. Die ersten 31sm motoren wir gegen eine extrem unangenehme Welle, denn der Wind kommt aus Westnordwest – also genau von vorn. Das Schiff knallt in die Wellen und die Gischt fliegt über das gesamte Schiff. Es ist wirklich zum abgewöhnen. Aber es nutzt alles nichts, und ab Vejrö können wir schließlich abfallen und die Segel setzen. Hoch am Wind segeln wir nun den Großen Belt hinunter, der Strom schiebt kräftig mit, aber der Wind dreht – entgegen der Vorhersage – schneller zurück auf West als geplant. Daher können wir Spodsbjerg nicht mehr anlaufen, und so laufen wir weiter nach Bagenkop wo wir am frühen Nachmittag nach insgesamt 60sm fest machen – ziemlich erschöpft und etwas durchnässt.

In Bagenkop an der Hafenmole

Der Hafen ist maximal zu einem Drittel belegt, und wir machen längsseits an der Mole fest.

Diesmal ist es kein Sand der quer über das Schiff fegt, sondern die Gischt der Wellen, die sich an der Mole brechen. Das ist aber problemlos, denn immerhin ist jetzt der Sand weg und auch keiner mehr in Sicht.

Bagenkop ist wenig belegt

Jetzt heißt es auf ein Wetterfenster zu warten, damit wir die letzten 30sm bis Kiel fahren können. Freitag scheint es so zu werden.

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