Englischer Kanal – Ost-Teil (17.07 – 27.07.2019)

Die Nordsee liegt hinter uns, vor uns liegt der Englische Kanal, der mir persönlich viel lieber ist als die Nordsee. Wir verlassen Dunkerque am Mittwoch früh um 05:10 Uhr. Es ist kein Wind und die Sonne geht in wolkenlosem Himmel auf. Wir wollen so schnell wie möglich das Cap Gris-Nez hinter uns bringen, weil das bei schlechtem Wetter einen ziemlich schlechten Ruf hat – wie ich selbst vor 21 Jahren erfahren durfte. Der Strom ist mit uns und wir sind sehr schnell. Nach ein paar Meilen liegt Calais neben uns. Die Anzahl der Fähren, die von Calais aus nach England gehen sind jetzt angenehm wenige im Vergleich zu früher.

Mit wenig Wind aber mit kräftiger Strömung fahren wir am Cap Gris-Nez vorbei. Vormittags ist der Wind noch variabel, dann am Nachmittag kommt er mit 10kn aus NNW und wir segeln sehr angenehm mit Sonne und Wind bist nach Dieppe. Nach 91sm machen wir um 19:40 Uhr fest. Endlich mal eine längere Strecke ohne Nachtfahrt.

Dieppe

Dieppe
Dieppe
Dieppe
Dieppe
Dieppe Dieppe Dieppe Dieppe

Dieppe ist eine typisch französische Kleinstadt am Meer in Nordfrankreich. Aus meiner Sicht ein guter Zwischenstopp ohne jedoch mehr Anziehungskraft auf mich auszuüben. Der Tidenhub jedoch ist beträchtlich und sehr beeindruckend. Manchmal kommt man die lange und steile Treppe vom Hafen an Land kaum koch, dann bei Hochwasser ist sie fast waagerecht. Allein die Tide ist wirklich ein Erlebnis.

Der gute Wind ist vorüber und am Donnerstag erwartet uns draußen wieder Gegenwind mit 10-15kn. Diesmal kreuzen wir die ganze Strecke auf.

Tacking to le Havre

Wir haben oft genug den Motor genommen und so ist es sogar angenehmer als immer mit der Maschine gegen die Wellen anzugehen. Eigentlich ist die Strecke nach Le Havre nicht sehr lang, aber durch das Aufkreuzen werden es insgesamt 72 Meilen. Ein einziges kleineres Schiff kreuzt wacker mit uns auf, aber das läuft schließlich in Fécamp ein. Für uns wäre die Fahrrinne in der Einfahrt von Fécamp bei dem Wasserstand jedoch zu flach und die Wellen in der Einfahrt haben mich früher schon oft nervös werden lassen. Wir fahren weiter. Der Wind dreht langsam etwas günstiger für uns und so ist das letzte Drittel der Strecke nach Le Havre angenehm und schnell.

Dieppe – Le Havre

Dieppe – Le Havre
Dieppe – Le Havre
Dieppe – Le Havre
Dieppe – Le Havre
Dieppe – Le Havre
Dieppe – Le Havre
Dieppe – Le Havre
Dieppe – Le Havre Dieppe – Le Havre Dieppe – Le Havre Dieppe – Le Havre Dieppe – Le Havre Dieppe – Le Havre Dieppe – Le Havre

Am Freitag früh um 01:30Uhr machen wir längsseits hinter der berühmten Yacht “Tara” in Le Havre fest.

Die Tara ist das ehemalige Forschungsschiff von Sir Peter Blake – zu seiner Zeit hieß es noch “Seamaster”. Sir Peter ist am 6. Dezember 2001 im Amazonasdelta auf diesem Schiff von Piraten ermordet worden, als er sich schützend vor seine Mannschaft stellte. Ein Forschungsschiff mit viel Historie und beeindruckend in jeder Hinsicht.  

Le Havre

Le Havre
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Le Havre
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Le Havre
Le Havre
Le Havre
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Le Havre Le Havre Le Havre Le Havre Le Havre Le Havre Le Havre Le Havre Le Havre Le Havre Le Havre Le Havre Le Havre Le Havre Le Havre

So langsam reicht es mit den langen Strecken und wir haben beide das Bedürfnis nach mehr Ruhe. Aus diesem Grund bleiben wir einen Tag länger in le Havre und gucken uns die Stadt an. Im Wesentlichen aber ruhen wir uns von den vielen langen Strecken der letzten zwei Wochen aus.

Erst am Sonntag, den 21.07. legen wir wieder ab. Die Fahrt unter Motor nutzen wir jetzt zum zweiten Mal um mit dem Wassermacher die Tanks zu füllen. Sehr angenehm, wenn man selbst sein Wasser erzeugen kann und unabhängig ist. Das Ziel ist Ouistreham, das mir aus meiner Studentenzeit noch gut in Erinnerung ist, und das nach einem über 3-jährigem Aufenthalt in den 1980er Jahren so etwas wie meine zweite Heimat für mich geworden ist. Zudem wollte ich alte Freunde treffen, die ich seit über 20 Jahren nicht mehr gesehen habe.

Die Fahrt verläuft unspektakulär und nach 21sm – wieder unter Motor – machen wir erst vor der Schleuse zum Kanal, dann in Ouistreham fest.

Ouistreham

Ouistreham
Ouistreham
Ouistreham Ouistreham

Ouistreham ist ein Ort um wirklich auszuruhen. Der Hafen ist total geschützt und ruhig gelegen. Wir haben die Fahrräder genommen und sind die Küste entlang bis nach Luc-sur-Mer gefahren, wo ich vor 35 Jahren eine Zeitlang gewohnt habe. Die Strände, die sich kilometerlang hinziehen sind voller Menschen, die Strassen, die Cafés und Restaurants sind überfüllt. Es ist Sommer und alle haben Ferien.

Along the coast by bike

Along the coast by bike
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Abends holen wir uns leckere Meeresfrüchte frisch vom Markt. Gegessen wird natürlich an Bord. In Frankreich ist eine Hitzewelle angekommen, und nur am Wasser ist es auszuhalten.

Fruits-de-Mer

Fruits-de-Mer
Fruits-de-Mer
Fruits-de-Mer
Fruits-de-Mer
Fruits-de-Mer
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Am nächsten Tag kommen Francois und Josée zu Besuch, die ich seit über 20 Jahren nicht mehr gesehen hatte. Wir verbringen einen schönen Tag zusammen, machen einen Besuch in Dives-sur-Mer und dann auf dem Friedhof, auf dem ich viel zu lange nicht sein konnte.

Visit of Dives-sur-Mer with my friends

Visit of Dives-sur-Mer with my friends
Visit of Dives-sur-Mer with my friends
Visit of Dives-sur-Mer with my friends
Visit of Dives-sur-Mer with my friends
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Abends essen wir zusammen an Bord. Robert kocht, wir essen vorzüglich und schwelgen in alten Zeiten. Es wird viel gelacht.

Nach über 20 Jahren … Francois und Josée


Das Aufstehen am nächsten Morgen (Dienstag) fällt uns nicht leicht. Nach mehreren Flaschen Wein am Abend zögern wir beide etwas, als der Wecker klingelt. Aber wir müssen raus, weil wir um 06:15 Uhr die Schleuse nehmen wollen. Zunächst müssen wir motoren weil kein Wind weht, aber später kommt Ostwind auf und wir fahren mit achterlichem Wind und ausgestellte Segeln ruhig nach Saint Vaast-la-Hougue. Dort ist das Schleusentor ab Mittags geöffnet – also um Hochwasser herum- und wir machen nach 47sm um 14:45 Uhr in Saint Vaast-la-Hougue fest.

Ouistreham – Saint Vaast

Ouistreham – Saint Vaast
Ouistreham – Saint Vaast
Ouistreham – Saint Vaast
Ouistreham – Saint Vaast
Ouistreham – Saint Vaast
Ouistreham – Saint Vaast
Ouistreham – Saint Vaast
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In Frankreich haben die Tagestemperaturen fast 40 Grad erreicht und wir sind froh dass wir unser Sonnensegel haben. Ohne das wäre es nicht auszuhalten. Es weht auch nur ein sehr leichter Wind.

Saint Vaast ist eine kleine Stadt aus der viele bekannte Austern und sonstige Meeresfrüchte kommen, und auch wir werden hier ein gutes “Plateau de Fruits de Mer” essen – natürlich frisch vom Fischer gekauft und an Bord zubereitet. Dazu kalten Weißwein – lecker.

Saint Vaast-la-Hougue

Saint Vaast-la-Hougue
Saint Vaast-la-Hougue
Saint Vaast-la-Hougue
Saint Vaast-la-Hougue
Saint Vaast-la-Hougue
Saint Vaast-la-Hougue
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Die Stadt ist bezaubernd aber der Hafen entsprechend teuer. Mit 53,40€ pro Nacht nicht gerade ein Schnäppchen, aber wir haben festgestellt, dass die Häfen gen Westen immer teurer werden. Ein Besuch der Stadt ist aber wirklich lohnenswert und ich würde immer wieder hier festmachen.

Eigentlich wollten wir am Donnerstag Abend noch nach Cherbourg fahren, doch eine Gewitterstimmung hat uns im letzten Moment anders entscheiden lassen. So sind wir noch eine Nacht in Saint Vaast geblieben und haben erst am Freitag früh um 05:45 Uhr abgelegt. Es ist kein Wind und wir nehmen wieder den Motor.

Early morning departure

Ein Problem sind die Reusen, die auf dem Weg nach Cherbourg zahlreich anzutreffen sind. Diese sind nur mit einem schwimmenden Ball gekennzeichnet und teilweise erst sehr spät zu erkennen. Besonders durch die starke Strömung werden sie unter Wasser gedrückt und besonders gefährlich ist die lange Leine, die schräg nach unten ins Wasser geht. Das Risiko diese Leine in die Schraube zu bekommen ist sehr hoch.

Fisher buoys

Fisher buoys
Fisher buoys
Fisher buoys
Fisher buoys Fisher buoys Fisher buoys

Wir gucken beide konzentriert aufs Wasser um keinen dieser Bälle zu verpassen. Einer war jedoch durch die Strömung total unter Wasser gedrückt worden und wir laufen genau darüber hinweg. In letzter Sekunde sehen wir ihn, kuppeln sofort aus und hören noch wie der Ball unten gegen das Schiff kommt. Dann ist der Ball wieder weg. Wir hatten sehr viel Glück, denn wir sind nicht hängen geblieben.

Arrival Cherbourg

Arrival Cherbourg
Arrival Cherbourg
Arrival Cherbourg
Arrival Cherbourg
Arrival Cherbourg Arrival Cherbourg Arrival Cherbourg Arrival Cherbourg

Bereits um 09:30 Uhr kommen wir in Cherbourg an, tanken voll und legen uns längsseits an den Steg. Es ist der letzte Abend für Robert, der leider am Samstag früh wieder abfährt. Wir haben uns gut ergänzt und vollständig auf einander verlassen können, was besonders während der Nachtwachen wichtig war. Auch sonst hat alles sehr gut geklappt. Am Samstag Nachmittag kommen dann Mario und Michael an Bord für die nächste Strecke bis Nordspanien.

4 Antworten auf „Englischer Kanal – Ost-Teil (17.07 – 27.07.2019)“

  1. Hej Andreas, es ist toll dich so begleiten zu können. Deine Erzählungen und ie Fotos dazu lassen einen träumen und mitreisen. Es hört sich wunderbar an und ich wünsche dir und euch eine gute weiter Fahrt mit weniger Unwegsamkeiten. Denn du willst ja erholt wieder zurück kommen. Aber jetzt erst mal noch weiter auf deiner Reise, ich habe noch gar nicht alles durch, freue mich auf das was kommt und bin gespannt.
    Herzlichst Ute

  2. Ja tschüss Andreas und weiterhin alles Gute für dich, euch und weiterhin und es freut mich, dass ihr rechtzeitig bei den Widrigkriten in den Genießermodus umschalten konntet. Für dich ist das bestimmt auch eine sehr emotionale Geschichte, also alles Gute. Roberts Mama

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