Bretagne und Biskaya (03.08. – 09.08.2019)

Camaret war nur ein kurzer Zwischenstopp. Leider reicht die Zeit nicht um diesen schönen Ort zu genießen.

Ruhiger Ankerplatz in Camaret

Michael und Mario gehen einkaufen, ich studiere in der Zeit die Wetterkarten und bereite unsere Überlegungen für das weitere Vorgehen vor. Über der Biskaya herrscht Flaute – nicht gerade ideal um 340sm in einem Stück zu segeln.

Wir sind also gezwungen eine Entscheidung zu treffen:
– entweder fahren wir nach Südost und besichtigen einige Orte in der Südbretagne, warten dort auf ein Wetterfenster mit günstigem Wind zur Überquerung der Biskaya
– oder wir fahren gleich über die Biskaya und müssen wegen des schwachen Windes bzw. Gegenwindes wieder eine große Strecke mit dem Motor fahren.

Die fast 200sm lange Motorfahrt von Cherbourg nach Camaret hat uns mehr als gereicht. Jetzt müssen wir endlich mal segeln. Also entscheiden wir uns für die Südbretagne und beobachten aufmerksam die Wetterentwicklung. Irgendein Wetterfenster wird sich schon auftun. Wir überlegen sogar die Biskaya innen an der Küste entlang zu fahren wenn es nicht anders geht. Allerdings ist dieser Weg wesentlich länger.

Erstes Ziel ist jetzt die Inselgruppe Glénan. Dort ist die berühmteste Segelschule Frankreichs beheimatet. Um 07 Uhr gehen wir in Camaret Anker auf. Immer wieder müssen wir den Fischerbällen ausweichen, die sehr schlecht zu sehen sind.  

Early morning departure in Camaret

Early morning departure in Camaret
Early morning departure in Camaret
Early morning departure in Camaret Early morning departure in Camaret


Wir fahren zunächst unter Maschine zum Pointe du Raz. Dort werden wir mit 7kn Strömung hindurch gezogen. Das macht 14kn über Grund! Danach setzen wir Segel, und sogar der Blister kommt kurz zum Einsatz. Aber nicht lange. Der wenige Wind schläft völlig ein und wir starten wieder die Maschine. Nur 5sm segeln wir an diesem Tag. Weitere 50sm müssen wir motoren…

To Iles de Glénan

To Iles de Glénan
To Iles de Glénan
To Iles de Glénan To Iles de Glénan


Es gibt einige Ankerplätze an den Inseln aber natürlich ist es wegen der Ferienzeit ziemlich voll überall. Wir entscheiden uns für die Insel Penfret, die östlichste der Gruppe und ankern auf 12 Meter Tiefe – das sind 16 Meter Wassertiefe bei Hochwasser. Aber da nur sehr schwacher Wind herrscht geht das gut. Nach uns kommen noch viele andere, die noch weiter draußen in noch tieferem Wasser ankern müssen.

Iles de Glénan arrival

Iles de Glénan arrival
Iles de Glénan arrival
Iles de Glénan arrival
Iles de Glénan arrival
Iles de Glénan arrival
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Mit dem Beiboot fahren wir auf die Insel, die jedoch zum großen Teil durch die Segelschule genutzt wird. Deren Bereiche sind für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Trotzdem haben wir von der Insel einen schönen Blick über das Archipel.

Penfret / Glénan

Penfret / Glénan
Penfret / Glénan
Penfret / Glénan
Penfret / Glénan
Penfret / Glénan
Penfret / Glénan Penfret / Glénan Penfret / Glénan Penfret / Glénan Penfret / Glénan


Ein Wetterfenster für die Biskayaüberquerung lässt sich einfach nicht ausmachen. Und der Wind ist überall sehr schwach. Allerdings ist jetzt plötzlich ein sehr starkes Tiefdruckgebiet sichtbar, das am Freitag Nordspanien erreichen soll. Das sieht verdammt nach Sturmtief aus.

Sturmtief über dem Atlantik

Also entscheiden wir uns am Sonntag früh wieder um. Wenn wir auch in der Südbretagne motoren müssen, dann können wir ebenso gut über die Biskaya gehen – langsam unter Segeln oder bei Flaute mit dem Motor. Wir hätten ab Montag 4 Tage schwachen Wind, bevor das Sturmtief am Cap Finisterre den ersten starken Wind schickt. Also dürfen wir nicht weiter zögern. Für die 340sm sollten 3 Tage reichen…

Wir müssen noch einkaufen. Der Proviant reicht nicht für mehrere Tage in der Biskaya. Wir fahren daher in das nahe Lorient – wenige Meilen unter Segeln, den größten Teil mit der Maschine – und kaufen ein. Abends gehen wir noch gut essen, denn es ist mein Geburtstag und den möchte ich trotz allem ein bisschen feiern.

Lorient – and kids in the mast…

Lorient – and kids in the mast…
Lorient – and kids in the mast…
Lorient – and kids in the mast…
Lorient – and kids in the mast…
Lorient – and kids in the mast…
Lorient – and kids in the mast…
Lorient – and kids in the mast…
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Michael muss überraschend aus geschäftlichen Gründen nach Hause fahren, und so starten wir zu zweit – Mario und ich – am Montag in die Biskaya. Ohne uns genau festzulegen nehmen wir uns zumindest als Ziel A Coruna vor. Falls das Sturmtief schneller kommt, können wir immer noch nach Gijon oder notfalls nach Santander ausweichen.

Das Beiboot wird noch an Deck verzurrt und wir bauen die Windsteueranlage am Heck an. Plötzlich erreicht uns über Robert eine fatale Nachricht: am Dienstag ist in der Vorhersage plötzlich ein Gebiet mit Starkwind in der Biskaya aufgetaucht. Es sind bis 30kn Südwestwind – also genau von vorn – vorhergesagt. Da wollen wir natürlich auch nicht rein fahren.

Fazit: Wenn wir zu früh fahren, bekommen wir das Starkwindfeld ab. Wenn wir aber zu spät fahren, erwischt uns das Sturmtief in Galizien. Unter diesen Bedingungen bin ich noch nie über die Biskaya gegangen… Am Montag Nachmittag fahren wir mit etwas komischem Gefühl schließlich los.

Start of Biscay crossing

Start of Biscay crossing
Start of Biscay crossing
Start of Biscay crossing
Start of Biscay crossing Start of Biscay crossing Start of Biscay crossing

Bei der Abfahrt herrscht guter Wind, der aber nachts einschläft. Das waren immerhin schon 32sm mit segeln. Danach brauchen wir wieder den Motor. Wir starten wirklich nur die Maschine, wenn es nicht anders geht. Sobald die Geschwindigkeit deutlich unter 2,5kn fällt, geben wir auf.

Die gesamte Fahrt über wechseln wir zwischen Segeln und Maschine. Der Starkwind in der Mitte der Biskaya ist durchgezogen, als wir da waren. Wir haben nur den Rest als angenehmen Segelwind erwischt. Wenn wir segeln, steuert die Windsteueranlage sehr gut. Sobald aber die Geschwindigkeit unter 3kn fällt, muss der elektrische Autopilot herhalten. Wenn wir noch deutlich langsamer werden, starten wir die Maschine. Immerhin erwarten wir das Sturmtief und wollen nicht zu spät kommen.

Biscay crossing

Biscay crossing
Biscay crossing
Biscay crossing
Biscay crossing
Biscay crossing Biscay crossing Biscay crossing Biscay crossing


Nur sehr selten sehen wir Delphine. Am Kontinentalschelf sind sie aber da. Vor allem sehe ich sie nachts. Wale sehen wir viel öfter. Einer ist ca. 20 Meter neben uns in die andere Richtung geschwommen. Sie zu fotografieren ist aber nicht einfach. Hier ist ein Versuch…

Whales

Whales
Whales
Whales Whales


In der letzten Nacht – gegen Mitternacht – kann man schon sehr deutlich das Land riechen. Gesehen hatten wir es abends auch schon. Aber um 02 Uhr nachts fängt der Starkwind an. Extrem hohe Wellen bauen sich auf. Viel zu hoch für den Wind. Cocon knallt regelrecht in die Wellen und das ganze Schiff erzittert. Wir haben noch 35sm vor uns, aber das Sturmtief war etwas schneller als erwartet. Wir kämpfen uns mit der Maschine gegen die hohen Wellen und den Starkwind durch. Je näher wir aber A Coruna kommen, desto niedriger werden die Wellen.

Arrival A Coruna

Arrival A Coruna
Arrival A Coruna
Arrival A Coruna
Arrival A Coruna
Arrival A Coruna
Arrival A Coruna
Arrival A Coruna
Arrival A Coruna Arrival A Coruna Arrival A Coruna Arrival A Coruna Arrival A Coruna Arrival A Coruna Arrival A Coruna


Bei der Ankunft weht nur noch der starke Wind. Die Wellen sind weg, und es ist alles gut gegangen. Völlig erschöpft – weil wir beide in der Nacht nicht geschlafen haben – gehen wir bei der Ankunft noch tanken und machen dann in der Marina Coruna fest. Eigentlich wollte ich in die Marina Real, die nur ein paar hundert Meter weiter ist, aber wir sind einfach zu müde. Die Marina Real ist deutlich günstiger gelegen – direkt an der Altstadt.

Zusammenfassend war diese Biskayaüberquerung nicht sehr angenehm, mit ständiger Unsicherheit behaftet und wirklich stressig. Es ist meine 5. Biskayaüberquerung von Nord nach Süd, aber diese war mit Abstand die schlechteste.

Die Bilanz:
123sm segeln, 243sm Motoren.
Dauer 2 Tage 16 Stunden.

In A Coruna genießen wir nun die Ruhe, abgesehen vom Sturmtief, das jetzt wirklich da ist. Wir aber liegen sicher im Hafen. Wir gehen gut essen, besichtigen die Stadt und schlafen tief und lange.

A Coruna

A Coruna
A Coruna
A Coruna
A Coruna
A Coruna A Coruna A Coruna A Coruna


Am Freitag Abend reist Mario ab und ich bin für 2 Tage allein. Christine kommt am Sonntag an und wir fahren zusammen weiter Richtung Süden. Die Windvorhersagen sind positiv. Aber wer weiß was noch kommt…

2 Antworten auf „Bretagne und Biskaya (03.08. – 09.08.2019)“

  1. Es ist schön zu hören, dass alles gut gegangen ist. Bei all den Gegebenheiten kann es jetzt nur besser werden. Ich wünsche euch, dass euch der RICHTIGE Wind begleitet gen Süden und freue mich weiter von dir/euch zu lesen.

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